30.12.2016

ich implodiere und explodiere in eine millionen richtungen


in zeiten des stillstands

das kann der kopf doch nicht fassen, das denkt er sich. ich sage dem kopf, kopf, schlaf doch eine nacht darüber. in dieser nacht stelle ich meinen wecker nicht. es gibt keinen schlummermodus, demzufolge keine traumsequenzen die sich in einem achtminütigen abstand ändern. demzufolge erinnere ich mich nicht.
ich schlafe auch nicht weiter, das ist doch etwas skuril. ich liege sonst noch bis zwei uhr nachmittags im bett, dann schreit eine stimme und ich dusche, trinke einen kaffee, rauche eine zigarette.
heute nicht.
heute stehe ich auf.
zum ersten mal seit jahren, gefühlt zumindest, ja, kein stillstand. energie durchflutet mich. ich stehe in der küche und lache mich aus, mein kopf metaphorisierte gerade die mich durchflutende energie mittels eines blauen laserschwerts, ich hab den sound im ohr und schallendes lachen, wände werfen das zurück und sind sozusagen meine zuhörer.

1. du
gestern nacht, also ehrlich gesagt in diesem moment, da dachte ich an dich, denn ich hatte eine geschichte geschrieben um unser leben zu retten ein paar wochen zuvor, aber ich brachte es nicht zu ende und unser leben ist nicht mehr zu retten, ich weiß es ja.
ich starre die chronik an und greife in den bildschirm hinein und ich bin nicht traurig gewesen in diesem moment, das weiß ich jetzt, denn jetzt bin ich traurig, denn ich werde die geschichte in diesem moment zuende geschrieben haben und ich fürchte mich davor, dass ich danach nichts mehr schreiben werde, dass ich uns getötet haben werde in dieser nacht.
wir sind verloren, ich weiß es ja. zumindest für diesen moment, aber um es wirksam zu machen benötige ich endlichkeit.
du schweigst.
ich werde einen text beilegen, der nun an dich adressiert ist, dabei schrieb ich ihn bevor ich überhaupt von dir wusste.
gestern nacht werde ich dann mein zweites bier geöffnet haben, das grenzt an verrat, ich hatte das bier doch jemand anderem versprochen.
vielleicht, irgendwann, beiläufig, wenn wir nebeneinander auf unserem sofa sitzen, es ist dunkelrot in meiner vorstellung, wirst du mein bier öffnen mit deinen zähnen und wirst mich fragen ob ich dich heiraten möchte.
ich weiß ja, ich lebe zu sehr in den vier wänden meiner vorstellung.

2. ihr
ich weiß es.
ich ahne es jetzt.
ich möchte euch trotzem wiedersehen.
ich verstehe es nicht.
ich möchte euch trotzdem wiedersehen.
ihr müsst wissen, ich bereue nichts.

der stillstand legt sich über die dächer, die fassaden, den beton, den asphalt. der stillstand legt sich über meine gliedmaßen. es ist überflüssig, zu erwähnen, dass der stillstand arme und beine lähmt.
das herz macht urlaub in den tümpeln der vergangenheit, der kopf spinnt im kreis.
irgendwann sind wir fertig mit dem stillstand, denn wir haben verstanden. die welt hat uns kurz gepackt und uns in die luft gehoben. es ist gut. wir wissen jetzt, wie es sich anfühlt, wenn die beine in der luft baumeln. aber wir sind fertig damit. wir haben die welt wieder am kragen gepackt und wir beschreiten sie wieder, mit beiden beinen, die arme ausgebreitet, einatmend, ausatmend.

1. du
vogelfrei und gnadenschuss.
ich erschaffe euphemismen für alles, das ist wichtig, denn das sichert das überleben.
trotzdem, wie immer, obwohl du nicht zuhören kannst,
ich vermisse dich.

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